Bestandsaufnahme: Deutschlands Sportbauten im Rückstand
In Deutschland existieren derzeit rund 40.000 Sporthallen, 66.000 Sportplätze sowie mehr als 6.500 Schwimmbäder – das geht aus dem Themenbericht Sportstätten des Sportsatellitenkontos Deutschland (2023) hervor. Nahezu jede Kommune verfügt über eine entsprechende Infrastruktur. Ein Großteil dieser Anlagen wurde zwischen 1960 und 1980 errichtet. Ihr baulicher Zustand ist oft kritisch: 59 % der Kommunen berichten von einem „nennenswerten oder gravierenden Investitionsrückstand“ bei ihren Sporthallen . Bei Schwimm- und Eissportstätten liegt der Wert sogar noch höher. Marode Anlagen beeinträchtigen vielerorts den Sportbetrieb – über 40 % der Kommunen geben an, dass sie Angebote reduzieren oder ausfallen lassen müssen. Besonders betroffen sind Einfachsporthallen an Schulen sowie kleinere Mehrzweckhallen im ländlichen Raum. Laut einer Schätzung des Deutschen Olympischen Sportbunds liegt der bundesweite Sanierungsbedarf von Sportstätten bei über 31 Milliarden Euro . Diese Zahlen verdeutlichen: Der Sanierungsdruck ist hoch und er wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Sportstätten neu gedacht
Alte Sporthallen einfach nur zu sanieren, greift oft jedoch zu kurz. Früher waren Turnhallen meist rein funktional gestaltet, dunkel und kaum mehr als ein Zweckbau. Die große Chance liegt daher nun darin, die Typologie des Sportbaus neu zu denken: als offene, einladende Räume für alle – für Kinder und Jugendliche, für Ältere, für Menschen mit und ohne Einschränkungen. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich die Anforderungen an Sportstätten in den letzten Jahren grundlegend verändert. Multifunktional genutzte Räume werden in pädagogische und soziale Konzepte, wie Ganztagsschulen oder Stadtteilzentren, integriert. Inklusive, generationsübergreifende Bewegungsangebote, Gesundheitssport sowie freie, nicht-institutionalisierte Nutzungsformen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Statt reiner Substanzerhaltung und technischer Erneuerung braucht es flexible Raumkonzepte mit trennbaren Nutzungszonen, Barrierefreiheit im gesamten Gebäude sowie technisch aufrüstbare Infrastrukturen für Veranstaltungen.
Sanierungsbedarf als gestalterische Chance
Bei vielen Sanierungen liegt das Hauptaugenmerk auf der energetischen Optimierung des Gebäudes. Im Fokus stehen dabei eine bessere Dämmung, energieeffiziente Heizung, moderne Lüftungssysteme oder Solaranlagen. Um jedoch eine zukunftsfähige Sportstätte zu erschaffen, muss das große Ganze in den Blick rücken – mit einem Zusammenspiel aus funktionalen, gestalterischen und nachhaltigen Elementen wie:
- Tageslichtversorgung: Großflächige Oberlichter und lichtdurchlässige Fassadenelemente schaffen eine helle, freundliche Atmosphäre
- Moderne Technik: Optimierung der Gebäudetechnik für mehr Effizienz und Komfort, z.B. durch intelligente Lüftung, digitale Steuerung oder Solarstrom
- Nachhaltige Materialien: Holz oder wiederverwendbare Baustoffe, um Ressourcen zu schonen
- Flexible Nutzung: Ob Schulsport, Vereinstraining oder Nachbarschaftstreffen – Räume, die sich anpassen lassen, können für diverse Ereignisse und Aktivitäten genutzt werden
- Rückbaubare Lösungen: Modulare und demontierbare Lösungen lassen sich einfacher neuen Bedürfnissen anpassen – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft
- Grün- und Wasserflächen: Pflanzen und Wasserflächen rund ums Gebäude verbessern das Mikroklima und laden zum Verweilen ein
Wer heute saniert, kann also viel mehr schaffen als ein modernes Gebäude. Es geht darum, Orte zu gestalten, die das Miteinander stärken, für Bewegung begeistern und dabei nachhaltig, wandelbar und zukunftsfähig sind – Orte, an denen man sich gerne aufhält beim Yoga am Abend, Kinderturnen am Nachmittag oder dem Stadtteilfest am Wochenende.